Runen: Unterschied zwischen den Versionen

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Runen, die alten Schriftzeichen der germanischen Völker, haben eine tiefgehende kulturelle und spirituelle Bedeutung.
Runen begegnen uns auf alten Steinen, Schmuckstücken und Gebrauchsgegenständen. Sie waren eine Schrift, mit der Menschen germanische Sprachen aufzeichneten. Ihre Verwendung reichte von kurzen Namen und Besitzangaben bis zu Erinnerungsinschriften. Eine Runeninschrift ist deshalb nicht automatisch ein Zauberspruch. [https://en.natmus.dk/historical-knowledge/historical-themes/runes/ Hintergrund: Nationalmuseum Dänemark]


==Das Ältere Futhark==
== Das ältere Futhark ==
Das Ältere Futhark, das älteste bekannte Runenalphabet, nimmt in der Geschichte der Schriftsysteme einen besonderen Platz ein. Die Runen wurden von den germanischen Stämmen im Zeitraum vom 2. bis zum 8. Jahrhundert in Mitteleuropa verwendet. In diesem Zeitraum entwickelte sich das Ältere Futhark, das aus 24 Zeichen besteht, zu einem wichtigen Mittel der Kommunikation und Repräsentation von Ideen und Glaubenssystemen. Diese Runen trugen nicht nur zur Bewahrung von Alltagssprache und Handelsaufzeichnungen bei, sondern wurden auch in rituellen und spirituellen Kontexten verwendet. Das Ältere Futhark repräsentiert somit einen Schlüsselaspekt der kulturellen Identität und des Erbes der germanischen Völker. In diesem Zusammenhang ist es von besonderem Interesse, die Bedeutung und den kulturellen Einfluss des Älteren Futhark zu erforschen und zu verstehen.


==Bedeutung der Runen==
Das ältere Futhark umfasst 24 Zeichen. Seinen Namen verdankt es den ersten sechs Lautwerten: f, u, th, a, r und k. Es wurde in den ersten Jahrhunderten nach Christus verwendet und blieb regional unterschiedlich lange in Gebrauch. In Skandinavien entwickelte sich daraus bis zum Beginn der Wikingerzeit das jüngere Futhark mit 16 Zeichen. Die verschiedenen Runenalphabete darf man bei einer Übersetzung nicht beliebig vermischen. [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick: Emma Groeneveld, „Runes“]
Nachfolgend wird die Bedeutung der Runen aufgelistet.<ref>"Die Magie der Runen", "Die Blätter von Yggdrasil"</ref> In Klammer steht der Laut, für den die jeweilige Rune steht.


===ᚠ Fehu (F)===
== Was verrät der Name einer Rune? ==
Energie, Reichtum, Fruchtbarkeit, Kreativität, schöpferische Kraft, Glück, Verantwortung, Finanzielle Stärke, Wohlstand


traditionelle Bedeutung: Vieh, Wohlstand
Eine Rune besitzt einen Lautwert und einen Namen. Diese sind nicht dasselbe: Die Rune ᚠ kann den Laut f wiedergeben; ihr Name Fehu bedeutet „Vieh“. In einer gewöhnlichen Inschrift ersetzt man aber nicht jedes Zeichen durch die Bedeutung seines Namens.


===ᚢ Uruz (U oder V)===
Die Namen des älteren Futharks sind rekonstruiert. Forschende erschließen sie unter anderem aus später überlieferten Runennamen und Runengedichten. Die Schreibweisen unterscheiden sich deshalb zwischen Darstellungen. Hier stehen geläufige, vereinfachte Namensformen. Unsichere Deutungen werden ausdrücklich benannt. [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Zur Rekonstruktion: Nationalmuseum Dänemark]
Ausdauer, Geduld, Lebenskraft, Gesundheit, positive Stärke, Durchsetzungsvermögen, Entschlossenheit, Mut, Heilung, rohe und ungebändigte Kraft, Halt und Stabilität, mentale und physische Stärke, Leben in Balance


traditionelle Bedeutung: Auerochse, Kraft
Die folgenden Lautangaben sind eine Orientierung für das ältere Futhark. Sie bilden keine vollständige Anleitung, um heutiges Deutsch historisch korrekt mit Runen zu schreiben.


===ᚦ Thurisaz (TH, D)===
== Die 24 Runen ==
Riesenkraft, Verteidigung, zerstörerische Kraft, kann unkontrolliert Schaden verursachen, Konflikte und Schwierigkeiten, Willenskraft
traditionelle Bedeutung: Riese, Chaos, Dorn


===ᚨ Ansuz (A)===
=== ᚠ Fehu · Laut: f ===
göttliche, spirituelle Kraft des Lebens, Austausch durch die Sprache, Kommunikation und Mitteilungen, führt die Dinge auf ihre Ursachen in der Vergangenheit zurück, Inspiration, Sensibilität, Überzeugungskraft
traditionelle Bedeutung: Mund, Gottheit


===ᚱ Raidho (R)===
'''Namensbedeutung: Vieh, Besitz oder Vermögen.''' Im altenglischen Runengedicht wird Besitz mit der Aufforderung verbunden, ihn zu teilen. Der Text erzählt damit auch etwas über menschliches Zusammenleben. [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 Runengedicht, Verse 1–3]
Rhythmus des Lebens, Kreislauf der Jahreszeiten, Recht und Unrecht, Entscheidungen, Wiederkehr, Verbindungen und Beziehungen herstellen, Kontrolle, Ordnung, Dinge in Bewegung setzen oder aus dem Weg räumen
traditionelle Bedeutung: Rad, Reisen, Beziehungen, Reiten


'''ᚲ Kenaz (K)'''
=== ᚢ Uruz · Laut: u ===
geistige Erleuchtung, klare Gedanken, Wärme der Liebe, Erkenntnis, Bewusstsein, schöpferische Fähigkeiten, Beschreiten neuer Wege, Gelegenheiten, Informationen, Wissen, Lernen und Lehren, verborgene Dinge ans Licht bringen, Wegweiser, Antriebskraft, Verwandlung von Negativem in Positives, Begeisterung für das Leben, Hintergründe vieler Probleme psychischer Art können durch sie geklärt werden
traditionelle Bedeutung: Licht, Fackel


'''ᚷ Gebo (G)'''
'''Namensbedeutung: Auerochse.''' Gemeint ist ein Wildrind. Im altenglischen Runengedicht erscheint es als gehörntes, wehrhaftes Tier. [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 Runengedicht, Verse 4–6]
Harmonie zwischen Geben und Nehmen, Geschenk, Großzügigkeit, Vereinbarung, Bindung und persönliche Beziehungen, Verträge, Austausch, Ausgleich, Gleichgewicht aller Energien
traditionelle Bedeutung: Gabe, Ehe


'''ᚹ Wunjo (W, V)'''
=== ᚦ Thurisaz · Laut: th, wie in englisch „thing“ ===
Frieden, Fröhlichkeit, Freundschaft, Hoffnung, Harmonie, sexuelle Vereinigung, Gewinn, Verwirklichung, Lebensfreude, Wünschen, wahren Willen erkennen und in Übereinstimmung Handeln, Wille zu Gewinnen, eigenen Willen verwirklichen, Vergnügen
traditionelle Bedeutung: Freude, Erfüllung von Wünschen, Vollkommenheit


'''ᚺ Hagalaz (H)'''
'''Namensbedeutung: Riese.''' Die rekonstruierte Bezeichnung hängt mit dem späteren nordischen Wort ''þurs'' zusammen. In der altenglischen Überlieferung heißt die entsprechende Rune dagegen ''thorn'', also „Dorn“. Die unterschiedlichen Namen gehören zu unterschiedlichen Sprachtraditionen. [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runennamen], [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 altenglisches Runengedicht, Verse 7–9]
Heil und Zerstörung, Kommen und Gehen, Ende und Neuanfang, Transformation, Tod und Wiedergeburt, unkontrollierte Kräfte im Unterbewusstsein von zerstörerischer Natur und aus der Vergangenheit stammend
traditionelle Bedeutung: Hagel, Schneesturm, Samen, Ei


'''ᚾ Naudhiz (N)'''
'''Bildhaft lässt sich das Motiv des Riesen als gewaltige, bedrohliche oder zerstörerische Kraft deuten.''' Das ist eine interpretierende Lesart, keine wörtliche Übersetzung des Runennamens.
Widerstandskräfte, wichtige Entscheidungen, Befürchtungen, aktives Trauern, Elend und Erlösung, Kraft aus brennender Not heraus
traditionelle Bedeutung: Schicksal, Zeit, Bestimmung, Not


'''ᛁ Isa (I)'''
=== ᚨ Ansuz · Laut: a ===
Ruhe, Konzentration, klare Gedanken, Zusammenziehen, Zusammenhalt, Stille, Erstarren, Besinnung, Klarheit, innere Fokussierung, beruhigend, entschleunigend, Selbstbeherrschung, bremsende Kraft, Blockaden, Egoismus
traditionelle Bedeutung: Eis, Isolation, Stillstand


'''ᛃ Jera (J, G, manchmal auch A)'''
'''Namensbedeutung: Gottheit.''' Der Name wird mit den Asen, einer Gruppe nordischer Gottheiten, verbunden. Als Buchstabe gibt das Zeichen den Laut a wieder. [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick]
zurückkehrende Zyklen, Lebenszyklus, Fruchtbarkeitszyklus, Jahreszyklus, Hoffnung und Erwartungen, kontinuierliche Bewegung, Frieden, Harmonie, Wendepunkte, Wiederkehr
traditionelle Bedeutung: Jahr, Ernte, zyklische Veränderungen


'''ᛇ Eihwaz (N, E)'''
=== ᚱ Raidho · Laut: r ===
Einsicht in Leben und Tod, Lichtbringer, Yggdrasil, Tor zur Anderwelt, Antriebskräfte, Motivation, Zielstrebigkeit
traditionelle Bedeutung: Lebensbaum, Ausdauer, Eibe


'''ᛈ Perthro (P)'''
'''Namensbedeutung: Ritt oder Fahrt.''' Das zugehörige altenglische Runengedicht stellt das Reden über einen Ritt dem tatsächlichen Unterwegssein auf einem Pferd gegenüber. [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 Runengedicht, Verse 13–15]
Kraft der Geburt, Quelle der Weisheit, Geborgenheit, Freude, Pferch, Kessel, Wissen, schöpferische Kraft, Verwirklichung, verborgene Talente, innere Einsicht, Selbsterkenntnis, Problemlösung
traditionelle Bedeutung: Geheimnisse, Sorglosigkeit


'''ᛉ Algiz (Z, R, wenn sie am Ende eines Wortes stehen)'''
=== ᚲ Kenaz / Kaunan · Laut: k ===
Leben, Geburt und Tod, Elch, Schwan, schützende Kraft, beschützend
traditionelle Bedeutung: Bogen, Verteidigung, Schutz


'''ᛋ Sowilo (S)'''
'''Namensbedeutung: unsicher; unterschiedliche Überlieferungen.''' Die altenglische Bezeichnung ''cen'' wird als „Fackel“ verstanden, die nordische Bezeichnung ''kaun'' als „Geschwür“. Für die ältere Rune sollte deshalb keine dieser Bedeutungen als zweifelsfrei gesichert gelten. [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick], [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runennamen]
Lebenskraft, Heilung, Willensstärke, Tatenkraft, Hoffnung, Streben nach Höherem ,Selbstbewusstsein, Glaube an Erfolg, Grausamkeit, Gefühllosigkeit
traditionelle Bedeutung: Sonne, Kern


'''ᛏ Tiwaz (T)'''
=== ᚷ Gebo · Laut: g ===
Gerechtigkeit, Weltordnung, Gott Tyr, Pfeil, Speerspitze, schöpferische Energie, Stärke, Ehre, Autorität, Ergreifen von Initiativen
traditionelle Bedeutung: Beharrlichkeit, Mut, Polarstern


'''ᛒ Berkana (B)'''
'''Namensbedeutung: Gabe oder Geschenk.''' Der Name bezeichnet etwas, das jemand einem anderen gibt. Die Ähnlichkeit zum deutschen Wort „Gabe“ hilft beim Merken. [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runennamen]
Weiblichkeit, beschützend, Fürsorge, Erdmutter, Fruchtbarkeit, Geburt, Wiedergeburt, kreative Fähigkeiten
traditionelle Bedeutung: Birke, Wachstum, Schwangerschaft, Geborgenheit, weibliche Macht, Schöpfung


'''ᛖ Ehwaz (E)'''
=== ᚹ Wunjo · Laut: w, ursprünglich etwa wie englisches w ===
Harmonie, Einigkeit, Partnerschaft, Treue, Fruchtbarkeit, Anpassungsfähigkeit, Vertrauen, Loyalität, Beziehungen zu anderen, Zusammenarbeit, Sexualität
traditionelle Bedeutung: Pferd, Bewegung, Fortschritt


'''ᛗ Mannaz (M)'''
'''Namensbedeutung: Freude.''' Im altenglischen Runengedicht erscheint Freude zusammen mit einem Leben, das wenig Kummer kennt. [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 Runengedicht, Verse 22–24]
Gleichgewicht zwischen Mann und Frau, Ehe, Partnerschaft, Zusammenarbeit, rechtliche Angelegenheiten, Freund und Feind, Intellekt, Kommunikation, akademische Prüfungen, die Kunst den eigenen Standpunkt zu vertreten, rechtliche Streitigkeiten, Vermittlung bei Konflikten, Beilegung von Streitigkeiten, fördert Geisteskraft und Intelligenz, verstärkt das Gedächtnis, Bedeutung der eigenen gesellschaftlichen Stellung und die der Mitmenschen, Intellektuelle Gemeinsamkeiten, beidseitiges Verstehen, Verstand
traditionelle Bedeutung: Mensch, Zusammengehörigkeit, geistige Entwicklung


'''ᛚ Laguz (L)'''
=== ᚺ Hagalaz · Laut: h ===
Fruchtbarkeit, Emotionen, Ende und Anfang des Lebens, Standhaftigkeit, Schutz gegen Verrat, Stabilität, Zuneigung, Intuition, Mitgefühl, Fluss des Lebens, Loslassen, Veränderungen, im Fluss sein, Reinigung, Bewegung, Gefühlsleben, Flexibilität
traditionelle Bedeutung: Wasser, Meer, See


'''ᛜ Ingwaz (NG, Q)'''
'''Namensbedeutung: Hagel.''' Das altenglische Runengedicht beschreibt die hellen Körner, die vom Himmel kommen und anschließend zu Wasser werden. [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 Runengedicht, Verse 25–26]
Fortpflanzung, Nachkommen, Besinnung, Meditation, Bremsen plötzlicher Energieausbrüche, Entwicklung von Prozessen, Vereinigung, Erwartungen, Integration, Elternschaft, Zusammenarbeit, Einheit
traditionelle Bedeutung: Vollendung, Erweiterung, Neuanfang, Gott Frey


'''ᛞ Dagaz (D)'''
=== ᚾ Naudhiz · Laut: n ===
Ausgleich zwischen Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit, Tagesanfang, Regenbogenbrücke, Wechselwirkung zwischen bewusstem und unbewusstem Denken und Handeln, Gegensätze, Neubeginn
traditionelle Bedeutung: Tag, Tageslicht, Hoffnung, Vertrauen


'''ᛟ Othala (O)'''
'''Namensbedeutung: Not oder Bedrängnis.''' Der Name bezeichnet eine schwierige Lage. Eine festgelegte Vorhersage über das Schicksal eines Menschen ergibt sich daraus nicht. [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runennamen]
Verwurzelung, Familienverbände, Heimat, Abgrenzung und Schutz des Wohnsitzes, Zusammengehörigkeit, Wissen der Ahnen, Privatleben, Erfahrung, grundlegende Werte, Aufbau, Häuslichkeit, Besitz, Verwandtschaft, gesellschaftliches Leben
traditionelle Bedeutung: Erbe, Traditionen, Ländereien


==Einzelnachweise==
=== ᛁ Isa · Laut: i ===
 
'''Namensbedeutung: Eis.''' Das altenglische Runengedicht schildert Eis als kalt, glatt und glänzend. Das Zeichen kann also als Buchstabe i gelesen werden; „Eis“ ist die Bedeutung seines Namens. [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 Runengedicht, Verse 29–31]
 
=== ᛃ Jera · Laut: j, wie in „Jahr“ ===
 
'''Namensbedeutung: Jahr, auch gutes Erntejahr.''' Das Wort verbindet den Jahreslauf mit dem Ertrag der Felder. Es ist im älteren Futhark kein beliebiges Ersatzzeichen für a oder g. [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick]
 
=== ᛇ Eihwaz · Umschrift: häufig ï; genauer Lautwert unsicher ===
 
'''Namensbedeutung: Eibe.''' Bei dieser Rune ist die genaue Aussprache umstritten. Sie darf nicht mit der ähnlich benannten Pferderune Ehwaz verwechselt werden. [https://snl.no/runer Runenübersicht]
 
=== ᛈ Perthro · Laut: p ===
 
'''Namensbedeutung: ungeklärt.''' Der Name lässt sich nicht zuverlässig übersetzen. Gerade diese Lücke zeigt, dass die Forschung nicht zu jeder Rune eine eindeutige Antwort hat. [https://snl.no/runer Runenübersicht]
 
=== ᛉ Algiz · Umschrift: z ===
 
'''Namensbedeutung: unsicher, häufig als „Elch“ gedeutet.''' Der Laut wird als stimmhafter s-Laut rekonstruiert und entwickelte sich im Nordischen später weiter. Das z der Umschrift ist nicht das deutsche z wie in „Zeit“. [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick], [https://snl.no/runer Runenübersicht]
 
=== ᛊ Sowilo · Laut: s ===
 
'''Namensbedeutung: Sonne.''' Für die s-Rune begegnen unterschiedliche Zeichenformen. Die Namensbedeutung bezeichnet zunächst das Himmelsgestirn. [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick]
 
=== ᛏ Tiwaz · Laut: t ===
 
'''Namensbedeutung: der Gott Týr.''' Hier trägt eine Rune einen Götternamen. In einer Inschrift kann sie trotzdem ganz gewöhnlich als Buchstabe t dienen. [https://snl.no/runer Runenübersicht]
 
=== ᛒ Berkana · Laut: b ===
 
'''Namensbedeutung: Birke.''' Der Name gehört damit wie Eihwaz zu den Baumnamen innerhalb der Runenreihe. [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runennamen]
 
=== ᛖ Ehwaz · Laut: e ===
 
'''Namensbedeutung: Pferd.''' Die Rune sieht für heutige Augen wie ein M aus, steht aber für e. Nicht verwechseln: Eihwaz mit einem zusätzlichen i bezeichnet die Eibe. [https://snl.no/runer Runenübersicht]
 
=== ᛗ Mannaz · Laut: m ===
 
'''Namensbedeutung: Mensch oder Mann.''' Diese Rune und Ehwaz unterscheiden sich durch ihre inneren Linien. Beim Entziffern lohnt sich deshalb ein genauer Blick. [https://snl.no/runer Runenübersicht]
 
=== ᛚ Laguz · Laut: l ===
 
'''Namensbedeutung: Wasser.''' Je nach sprachlicher Überlieferung begegnen auch Übersetzungen wie „See“ oder „Gewässer“. [https://snl.no/runer Runenübersicht], [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick]
 
=== ᛜ Ingwaz · Laut: ng, wie am Ende von „Ring“ ===
 
'''Namensbedeutung: Ing, ein überlieferter Götter- beziehungsweise Sagenname.''' Die Rune steht für einen ng-Laut und nicht für den Buchstaben q. [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runennamen], [https://www.worldhistory.org/runes/ Überblick]
 
=== ᛞ Dagaz · Laut: d ===
 
'''Namensbedeutung: Tag.''' Hier passt der Lautwert zum Anfang des deutschen Wortes „Tag“ gerade nicht: Die Rune steht für d. [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runennamen]
 
=== ᛟ Othala · Laut: o ===
 
'''Namensbedeutung: ererbter Besitz.''' Der Name wird mit überliefertem Eigentum, besonders Grundbesitz, verbunden. Als Buchstabe steht die Rune für o. [https://snl.no/runer Runenübersicht]
 
== Runen, Magie und Deutung ==
 
In Erzählungen können Runen Schutz gewähren, Unheil ankündigen oder Teil eines Zaubers sein. Das ist von der Frage zu unterscheiden, was eine tatsächlich gefundene Inschrift aussagt. Viele erhaltene Texte behandeln alltägliche Anliegen. Eine behauptete magische Wirkung ist keine nachgewiesene Eigenschaft eines Schriftzeichens. [https://en.natmus.dk/historical-knowledge/denmark/prehistoric-period-until-1050-ad/the-viking-age/religion-magic-death-and-rituals/runic-magic/?force=desktop Nationalmuseum Dänemark: Runic magic]
 
== Runenzeichen im Nationalsozialismus ==
 
Runenschrift ist wesentlich älter als der Nationalsozialismus. Das NS-Regime griff jedoch einzelne Zeichenformen auf und verwendete sie für seine Organisationen. Ein Beispiel ist das Doppelzeichen der SS. Seine politische Verwendung darf nicht mit der ursprünglichen Funktion von Runen als Schriftzeichen gleichgesetzt werden. [https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/ss-runen-nach-1933 Deutsches Historisches Museum: SS-Runen-Abzeichen]
 
== Quellen und weiterführende Informationen ==
 
Die historischen Erläuterungen wurden eigenständig formuliert. Die verlinkten Quellen belegen Sachinformationen; ihre Texte und Abbildungen wurden nicht übernommen.
 
* Nationalmuseum Dänemark: [https://en.natmus.dk/historical-knowledge/historical-themes/runes/ Runes] und [https://natmus.dk/historisk-viden/temaer/runer/runernes-navne/ Runernes navne].
* Store norske leksikon: [https://snl.no/runer Runer], insbesondere die Abschnitte zum Alphabet und zu Runennamen.
* Emma Groeneveld: [https://www.worldhistory.org/runes/ Runes], World History Encyclopedia, 19. Juni 2018.
* University of Oxford, CLASP: [https://clasp.ell.ox.ac.uk/db-latest/poem/A.6.12 The Rune Poem], altenglischer Text. Die genannten Verse dienen als Beispiele für die spätere Überlieferung und sind kein unmittelbarer Beleg für sämtliche Bedeutungen des älteren Futharks.
* Nationalmuseum Dänemark: [https://en.natmus.dk/historical-knowledge/denmark/prehistoric-period-until-1050-ad/the-viking-age/religion-magic-death-and-rituals/runic-magic/?force=desktop Runic magic].
* Deutsches Historisches Museum: [https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/ss-runen-nach-1933 SS-Runen-Abzeichen, nach 1933].
 
Quellen geprüft am 24. September 2026.

Aktuelle Version vom 24. September 2026, 00:33 Uhr

Runen begegnen uns auf alten Steinen, Schmuckstücken und Gebrauchsgegenständen. Sie waren eine Schrift, mit der Menschen germanische Sprachen aufzeichneten. Ihre Verwendung reichte von kurzen Namen und Besitzangaben bis zu Erinnerungsinschriften. Eine Runeninschrift ist deshalb nicht automatisch ein Zauberspruch. Hintergrund: Nationalmuseum Dänemark

Das ältere Futhark

Das ältere Futhark umfasst 24 Zeichen. Seinen Namen verdankt es den ersten sechs Lautwerten: f, u, th, a, r und k. Es wurde in den ersten Jahrhunderten nach Christus verwendet und blieb regional unterschiedlich lange in Gebrauch. In Skandinavien entwickelte sich daraus bis zum Beginn der Wikingerzeit das jüngere Futhark mit 16 Zeichen. Die verschiedenen Runenalphabete darf man bei einer Übersetzung nicht beliebig vermischen. Überblick: Emma Groeneveld, „Runes“

Was verrät der Name einer Rune?

Eine Rune besitzt einen Lautwert und einen Namen. Diese sind nicht dasselbe: Die Rune ᚠ kann den Laut f wiedergeben; ihr Name Fehu bedeutet „Vieh“. In einer gewöhnlichen Inschrift ersetzt man aber nicht jedes Zeichen durch die Bedeutung seines Namens.

Die Namen des älteren Futharks sind rekonstruiert. Forschende erschließen sie unter anderem aus später überlieferten Runennamen und Runengedichten. Die Schreibweisen unterscheiden sich deshalb zwischen Darstellungen. Hier stehen geläufige, vereinfachte Namensformen. Unsichere Deutungen werden ausdrücklich benannt. Zur Rekonstruktion: Nationalmuseum Dänemark

Die folgenden Lautangaben sind eine Orientierung für das ältere Futhark. Sie bilden keine vollständige Anleitung, um heutiges Deutsch historisch korrekt mit Runen zu schreiben.

Die 24 Runen

ᚠ Fehu · Laut: f

Namensbedeutung: Vieh, Besitz oder Vermögen. Im altenglischen Runengedicht wird Besitz mit der Aufforderung verbunden, ihn zu teilen. Der Text erzählt damit auch etwas über menschliches Zusammenleben. Runengedicht, Verse 1–3

ᚢ Uruz · Laut: u

Namensbedeutung: Auerochse. Gemeint ist ein Wildrind. Im altenglischen Runengedicht erscheint es als gehörntes, wehrhaftes Tier. Runengedicht, Verse 4–6

ᚦ Thurisaz · Laut: th, wie in englisch „thing“

Namensbedeutung: Riese. Die rekonstruierte Bezeichnung hängt mit dem späteren nordischen Wort þurs zusammen. In der altenglischen Überlieferung heißt die entsprechende Rune dagegen thorn, also „Dorn“. Die unterschiedlichen Namen gehören zu unterschiedlichen Sprachtraditionen. Runennamen, altenglisches Runengedicht, Verse 7–9

Bildhaft lässt sich das Motiv des Riesen als gewaltige, bedrohliche oder zerstörerische Kraft deuten. Das ist eine interpretierende Lesart, keine wörtliche Übersetzung des Runennamens.

ᚨ Ansuz · Laut: a

Namensbedeutung: Gottheit. Der Name wird mit den Asen, einer Gruppe nordischer Gottheiten, verbunden. Als Buchstabe gibt das Zeichen den Laut a wieder. Überblick

ᚱ Raidho · Laut: r

Namensbedeutung: Ritt oder Fahrt. Das zugehörige altenglische Runengedicht stellt das Reden über einen Ritt dem tatsächlichen Unterwegssein auf einem Pferd gegenüber. Runengedicht, Verse 13–15

ᚲ Kenaz / Kaunan · Laut: k

Namensbedeutung: unsicher; unterschiedliche Überlieferungen. Die altenglische Bezeichnung cen wird als „Fackel“ verstanden, die nordische Bezeichnung kaun als „Geschwür“. Für die ältere Rune sollte deshalb keine dieser Bedeutungen als zweifelsfrei gesichert gelten. Überblick, Runennamen

ᚷ Gebo · Laut: g

Namensbedeutung: Gabe oder Geschenk. Der Name bezeichnet etwas, das jemand einem anderen gibt. Die Ähnlichkeit zum deutschen Wort „Gabe“ hilft beim Merken. Runennamen

ᚹ Wunjo · Laut: w, ursprünglich etwa wie englisches w

Namensbedeutung: Freude. Im altenglischen Runengedicht erscheint Freude zusammen mit einem Leben, das wenig Kummer kennt. Runengedicht, Verse 22–24

ᚺ Hagalaz · Laut: h

Namensbedeutung: Hagel. Das altenglische Runengedicht beschreibt die hellen Körner, die vom Himmel kommen und anschließend zu Wasser werden. Runengedicht, Verse 25–26

ᚾ Naudhiz · Laut: n

Namensbedeutung: Not oder Bedrängnis. Der Name bezeichnet eine schwierige Lage. Eine festgelegte Vorhersage über das Schicksal eines Menschen ergibt sich daraus nicht. Runennamen

ᛁ Isa · Laut: i

Namensbedeutung: Eis. Das altenglische Runengedicht schildert Eis als kalt, glatt und glänzend. Das Zeichen kann also als Buchstabe i gelesen werden; „Eis“ ist die Bedeutung seines Namens. Runengedicht, Verse 29–31

ᛃ Jera · Laut: j, wie in „Jahr“

Namensbedeutung: Jahr, auch gutes Erntejahr. Das Wort verbindet den Jahreslauf mit dem Ertrag der Felder. Es ist im älteren Futhark kein beliebiges Ersatzzeichen für a oder g. Überblick

ᛇ Eihwaz · Umschrift: häufig ï; genauer Lautwert unsicher

Namensbedeutung: Eibe. Bei dieser Rune ist die genaue Aussprache umstritten. Sie darf nicht mit der ähnlich benannten Pferderune Ehwaz verwechselt werden. Runenübersicht

ᛈ Perthro · Laut: p

Namensbedeutung: ungeklärt. Der Name lässt sich nicht zuverlässig übersetzen. Gerade diese Lücke zeigt, dass die Forschung nicht zu jeder Rune eine eindeutige Antwort hat. Runenübersicht

ᛉ Algiz · Umschrift: z

Namensbedeutung: unsicher, häufig als „Elch“ gedeutet. Der Laut wird als stimmhafter s-Laut rekonstruiert und entwickelte sich im Nordischen später weiter. Das z der Umschrift ist nicht das deutsche z wie in „Zeit“. Überblick, Runenübersicht

ᛊ Sowilo · Laut: s

Namensbedeutung: Sonne. Für die s-Rune begegnen unterschiedliche Zeichenformen. Die Namensbedeutung bezeichnet zunächst das Himmelsgestirn. Überblick

ᛏ Tiwaz · Laut: t

Namensbedeutung: der Gott Týr. Hier trägt eine Rune einen Götternamen. In einer Inschrift kann sie trotzdem ganz gewöhnlich als Buchstabe t dienen. Runenübersicht

ᛒ Berkana · Laut: b

Namensbedeutung: Birke. Der Name gehört damit wie Eihwaz zu den Baumnamen innerhalb der Runenreihe. Runennamen

ᛖ Ehwaz · Laut: e

Namensbedeutung: Pferd. Die Rune sieht für heutige Augen wie ein M aus, steht aber für e. Nicht verwechseln: Eihwaz mit einem zusätzlichen i bezeichnet die Eibe. Runenübersicht

ᛗ Mannaz · Laut: m

Namensbedeutung: Mensch oder Mann. Diese Rune und Ehwaz unterscheiden sich durch ihre inneren Linien. Beim Entziffern lohnt sich deshalb ein genauer Blick. Runenübersicht

ᛚ Laguz · Laut: l

Namensbedeutung: Wasser. Je nach sprachlicher Überlieferung begegnen auch Übersetzungen wie „See“ oder „Gewässer“. Runenübersicht, Überblick

ᛜ Ingwaz · Laut: ng, wie am Ende von „Ring“

Namensbedeutung: Ing, ein überlieferter Götter- beziehungsweise Sagenname. Die Rune steht für einen ng-Laut und nicht für den Buchstaben q. Runennamen, Überblick

ᛞ Dagaz · Laut: d

Namensbedeutung: Tag. Hier passt der Lautwert zum Anfang des deutschen Wortes „Tag“ gerade nicht: Die Rune steht für d. Runennamen

ᛟ Othala · Laut: o

Namensbedeutung: ererbter Besitz. Der Name wird mit überliefertem Eigentum, besonders Grundbesitz, verbunden. Als Buchstabe steht die Rune für o. Runenübersicht

Runen, Magie und Deutung

In Erzählungen können Runen Schutz gewähren, Unheil ankündigen oder Teil eines Zaubers sein. Das ist von der Frage zu unterscheiden, was eine tatsächlich gefundene Inschrift aussagt. Viele erhaltene Texte behandeln alltägliche Anliegen. Eine behauptete magische Wirkung ist keine nachgewiesene Eigenschaft eines Schriftzeichens. Nationalmuseum Dänemark: Runic magic

Runenzeichen im Nationalsozialismus

Runenschrift ist wesentlich älter als der Nationalsozialismus. Das NS-Regime griff jedoch einzelne Zeichenformen auf und verwendete sie für seine Organisationen. Ein Beispiel ist das Doppelzeichen der SS. Seine politische Verwendung darf nicht mit der ursprünglichen Funktion von Runen als Schriftzeichen gleichgesetzt werden. Deutsches Historisches Museum: SS-Runen-Abzeichen

Quellen und weiterführende Informationen

Die historischen Erläuterungen wurden eigenständig formuliert. Die verlinkten Quellen belegen Sachinformationen; ihre Texte und Abbildungen wurden nicht übernommen.

  • Nationalmuseum Dänemark: Runes und Runernes navne.
  • Store norske leksikon: Runer, insbesondere die Abschnitte zum Alphabet und zu Runennamen.
  • Emma Groeneveld: Runes, World History Encyclopedia, 19. Juni 2018.
  • University of Oxford, CLASP: The Rune Poem, altenglischer Text. Die genannten Verse dienen als Beispiele für die spätere Überlieferung und sind kein unmittelbarer Beleg für sämtliche Bedeutungen des älteren Futharks.
  • Nationalmuseum Dänemark: Runic magic.
  • Deutsches Historisches Museum: SS-Runen-Abzeichen, nach 1933.

Quellen geprüft am 24. September 2026.